Verkehr ist eines der großen Themen der nächsten Jahre. Wir haben frühzeitig einen realistischen Verkehrsentwicklungsplan gefordert, der vor allem auch eine zeitliche Umsetzung beinhaltet. Die Bürgerinnen und Bürger wollen wissen „Was soll wann – in welcher Reihenfolge gemacht werden?“

 

Bereits 2018 wollten wir einen Radverkehrsplan für Landsberg im Haushalt verankert haben – bisher fehlt er leider immer noch.

Wir sind der Überzeugung, dass die Wahl des Verkehrsmittels in die Eigenverantwortung der Bürger fällt. Wir haben mündige Bürgerinnen und Bürger und es ist nicht Aufgabe des Stadt, sie zu bevormunden. Es ist Aufgabe der Stadt, attraktive Angebote zu schaffen.

Wir brauchen eine vernünftige Vielfalt bei den Verkehrsmitteln – und dafür setzen wir uns ein.

Wir setzen daher auf eine Betrachtung der einzelnen Verkehrsmittel und die jeweiligen Verbesserungschancen:

–  Wie bekommen wir den Durchgangsverkehr schneller aus der Stadt und vermeiden Staus ?
–  Wo brauchen wir unbedingt noch Radwege, um sicher anzukommen ?
–  Wie können Fußgänger leichter die in Landsberg vorhandenen Steigungen überwinden ?
–  Wann, zu welchen Zeiten und welche Strecken sollen Bahn und Bus fahren ?

All diese Fragen können wir ohne neue Gutachten lösen. Was die Bürger von uns wollen sind keine hochtrabenden Konzepte, sondern pragmatische Lösungen.

Langfristig werden wir den Autoverkehr nur mit einer Umgehung aus der Stadt verdrängen. Egal ob Nord- oder Südumfahrung: Wenn wir keinen ersten Schritt machen, dann werden wir diese auch in 30 Jahren noch nicht haben.

 

Wir haben als UBV hierzu bereits im August 2018 einige Maßnahmen vorgeschlagen:

 

„Landsberg steht im Stau“: 5-Maßnahmen-Plan der UBV zum Erhalt der Lebensqualität

In der Gesamtstrategie 2035 wurde als Weiterentwicklung bestehender Konzepte eine Verbesserung des Radverkehrs, eine Steigerung des ÖPNV und eine Erhöhung des Fußgängeranteils beschlossen. Dies ist gut und richtig so. Dies sind die ersten  Schritte auf dem Weg zu einer Diversifizierung.
Allerdings passieren 62% der Wege der Landsberger laut Prof. Knopflacher mit dem Auto. Und diese Zahl wird auch nicht gravierend abnehmen. Nur wenn wir in diesem Segment ebenfalls zu Verbesserungen kommen, wird sich die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger in den nächsten Jahren verbessern. Landsberg hat bereits aktuell bestehende Verkehrsprobleme. Durch das kommende Wachstum von etwa 30.000 auf circa 35.000 Einwohner in den nächsten fünf bis zehn Jahren werden sich diese noch wesentlich verschärfen. Der Verkehr hat in Landsberg seit dem Verkehrsgutachten vor acht Jahren, nicht zuletzt durch die neuen Baugebiete, erheblich zugenommen und wird noch weiter steigen. Daran ändern auch neue Formen von Mobilität (z.B. Elektroauto) nichts, da auch diese Straßen benötigen.

Wir brauchen daher Vorschläge, wie wir den Autoverkehr in Landsberg bürgerfreundlicher gestalten können. Das Ziel muss sein, den Verkehr auf den Hauptverkehrsstraßen flüssiger zu gestalten, so dass die Autos möglichst zügig aus der Stadt herauskommen.

Maßnahme 1: Haltebuchten für Busse!

Die fehlenden Haltebuchten für Busse (z.B. Hauptplatz, Heilig-Engel-Kirche/Mittelschule) verursachen lange Staus.

Dies ist gerade aus Umweltgesichtspunkten (Abgase und Lärm) nicht länger zielführend. Die aktuelle Feinstaubdiskussion zeigt, dass die absichtliche Erzeugung von Staus heutzutage als Mittel der Verkehrsplanung ausgedient hat. Je zügiger der Verkehr aus der Stadt abfließen kann, desto geringer ist die Beeinträchtigung für die Bürgerinnen und Bürger. Daher war es falsch am Hauptplatz und am Hindenburgring die Haltebuchten für die Busse wegzunehmen. Die Haltebuchten für Busse sind
zu erhalten. In den Neubaugebieten, wie zum Beispiel Schongauer Straße, sind wieder Bushaltestellen mit Haltebuchten zu planen.

Maßnahme 2: Mehr Kreisverkehre!
Der Verkehr ist durch mehr Kreisverkehre zügiger zu gestalten. Zu den Vorteilen eines Kreisverkehrs gehören:

– Mehr Fahrzeuge können den Verkehrsknotenpunkt pro Zeiteinheit passieren. Da der Verkehr nicht gestoppt werden muss und ist die Durchlassgeschwindigkeit höher ist.
– Ist der Kreisverkehr richtig dimensioniert, lässt sich auch hohes Verkehrsaufkommen bei minimaler Stauentwicklung stemmen.
– Die Umwelt- und Lärmbelastung sinkt, weil unnötiges Warten und Anfahren entfällt.
– Statistisch gesehen zeichnen sich Kreisverkehre durch eine höhere Verkehrssicherheit aus. Sie sind in der Regel übersichtlich und die gefahrenen Geschwindigkeiten sind niedriger.

Wir beantragen daher, am Postberg, an der Sandauer Brücke und an der Augsburger Straße (Carl-Friedrich-Benz-Straße / Autobahnauffahrt, Danziger Platz) den Verkehrsfluss mittels Kreisverkehren zu optimieren. Je nach Gegebenheiten können dies auch Minikreisverkehre oder kleine Kreisverkehre mit überfahrbaren Mittelpunkten sein. Künftig soll jedes Jahr mindestens ein Kreisverkehr in den Haushalt eingeplant werden.

Maßnahme 3: Parksuchverkehr smart gestalten!
Der innerörtliche Parksuchverkehr ist mit modernen digitalen Lösungen zu reduzieren und zu steuern. Beispiel „Park here“. Hier werden durch den Einbau von Parkplatzsensoren den Autofahrern in Echtzeit freie Parkplätze angezeigt. In Kombination mit digitalen Reservierungs- und Bezahlmöglichkeiten lässt sich der Verkehr smart gestalten. Der Parkplatzsuchverkehr und die Umweltbelastung werden dadurch reduziert – die Lebensqualität gesteigert.

Maßnahme 4: Zusätzliche Bahnhaltestelle Augsburger Straße (Aldi)
Der Vorschlag einer zusätzlichen Bahn-Haltestelle an der Augsburger Straße (Höhe Aldi) ist weiter zu verfolgen. Gerade die Bürgerinnen und Bürger der Schwaighofsiedlung haben dann eine wesentlich bessere öffentliche Anbindung. Gleichzeitig wird der topographische Höhenunterschied vom Hauptplatz//Innenstadt//Bahnhof zur Augsburger Straße durch die Bahn ohne Anstrengung überwunden. Darüber hinaus muss für die geplante Express S-Bahn unbedingt eine Haltestelle in Kaufering vorgesehen werden.

Maßnahme 5: Entlastung für den Hauptplatz!
Langfristig ist bei einer weiteren Zunahme der Bevölkerung eine Entlastungsstraße für den Hauptplatz unumgänglich. Die Stadt hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert, auch was die Schwerpunkte des Wachstums angeht. Es ist daher  dringend notwendig, hier einen neuen ersten Schritt zu tun. Eine entsprechende Planung hat in Abstimmung mit dem Straßenbauamt Weilheim zu erfolgen. Die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans bietet hier die beste Gelegenheit. Es handelt sich hierbei um ein großes Verkehrsprojekt, bei dem ein langer Atem nötig ist. Vergleichbar mit dem Starnberger Tunnelprojekt, das vor 20 Jahren politisch begonnen wurde und jetzt wird gebaut.

Schlussbemerkung:
Stadtrat und Verwaltung müssen sich trotz aller Maßnahmen in Sachen Verkehr ehrlich machen:
Es wäre Augenwischerei, sich und den Bürgerinnen und Bürgern nicht einzugestehen, dass die großen, echten Entlastungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind ( B 17-Umgehung, Ost-Tangente, A96 ). Die Straßen von Landsberg können nicht beliebig viel Verkehr aufnehmen.
Ein Wachstum ohne gleichzeitige Verkehrsplanung, bezogen auf die von dem Baugebiet ausgelöste Verkehrsmehrung, vernichtet Lebensqualität.