Artikel Christoph Jell in der Monatszeitung Dez. 2018

Gewinne werden privatisiert – Verluste werden sozialisiert, also uns Allen aufgebürdet.

Nein, ich bin kein Fan von Karl Marx und schon gar kein Marxist. Aber das Zitat passt hier einfach.

Im Juli hat der Stadtrat nach langer Diskussion beschlossen, den Stadtwerken den Auftrag zu erteilen, die Tiefgarage unter der Lechstraße neben dem Ignaz-Kögler-Gymnasium um 186 Stellplätze zu erweitern. Zur Stärkung der Innenstadt. Ich habe schon damals dagegen gestimmt. Wer mich kennt, weiß, das ich wirklich nichts  gegen eine Stärkung der Innenstadt habe . Es war aber schon damals klar, dass in Kürze der Investor des Pflugfabrikgeländes vorschlagen würde, eine ähnliche Zahl an Stellplätzen auf der anderen Seite des neuen Lechstegs nicht zu bauen. Der Zeitpunkt ist jetzt. Es sind genau 196 Stellplätze. Während also die Stadt die zu kaum mehr als 2/3 ausgelastete Lechgarage für knapp fünf Millionen € um 186 Stellplätze erweitert, baut der Investor alleine dadurch 52 Stellplätze weniger, dass für Sozialwohnungen und sozial geförderte Wohnungen unabhängig von der Wohnungsgröße nur je ein PKW- Stellplatz vorgesehen ist. Im Gutachten heißt es dazu wörtlich: „Berücksichtigung von gefördertem Wohnungsbau in Eigentum oder Miete von 1 Stellplatz pro Wohneinheit (nicht alle Mieter können oder wollen sich erfahrungsgemäß einen Pkw leisten)“. Logisch: wenn man das Angebot verknappt, kann man teurer verkaufen/vermieten. Das können oder wollen sich dann nicht mehr alle leisten. Die Frage wird nur sein, wo das Auto dann geparkt wird. Oberirdische Parkplätze gibt es in dem Viertel nämlich nur noch für Behinderte. Zweiter Ansatz: weniger Autos durch Ersatz von Autofahrten durch Fahrten mit E-Bikes, Bus und Bahn und das Gehen zu Fuß. Woher kommt das Geld für den attraktiveren Stadtbus in der gesamten Stadt? Für die neuen Rad- und Fußwege, auch und vor allem außerhalb des Baugebiets. Und wie lange dauert es, diese zu errichten? Alles spannende Fragen. Klar ist aber laut Gutachten, dass diese Maßnahmen bereits jetzt weitere 144 Stellplätze überflüssig machen. Dritter Ansatz: Carsharing: dadurch könnten weitere 86 bis 350 Stellplätze eingespart werden. Offenbar wissen die Autoren des Gutachtens, wie es derzeit um das Thema Carsharing in Landsberg bestellt ist, denn sie bringen dieses Einsparpotential gar nicht erst in Ansatz.

 

All das könnte funktionieren. Ob es auch wirklich funktioniert will jetzt so wirklich noch keiner wissen. Nur der Investor weiß jetzt schon, dass er die Stellplätze nicht bauen muss. So kann man keine Entscheidungen treffen.

 

Ich wünsche ihnen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019.

 

Herzlichst Ihr

Christoph Jell

 

(https://issuu.com/monatszeitung/docs/www_januar2019/8)

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